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Grönemeyer Gummibärchen Und Das Informelle Firmen Gedächtnis
Seit bald 10 Jahren, seit Mitte der Neunziger des vergangenen Jahrhunderts geistert eine quirlige Softwaretechnologie quer durch das weltweite Web, die allmählich an Beachtung gewinnt. Ihr Bildschirmauftritt sieht aus wie das knorrige Rückgrat einer Webseite mit viel Text und wenig Grafik, hat die stromlinienförmigen Anziehungskraft einer tadellosen Tabelle, kennt weder kryptische Gestaltungszeichen noch komplizierte Softwareprogrammierung: die Rede ist von wiki, einer Philosophie, Technologie und Dokumenten Form, die bisher hauptsächlich von Techies, Messis, Geeks und Gurus und sonstiger freischwebender Internetintelligenz genutzt wird. Das scheint sich allmählich zu ändern.
Wikis gehören zu jener Gruppe von Autorenplattformen (WikiOpenOnlinePubTool), die mittels meist frei verfügbaren Quelltextprogrammen und einem geeigneten Browser ihre Nutzer in Stand setzen, auf einfachste Weise vorhandene Wiki Seiten zu verändern oder neue anzulegen. Solcherlei Autorensoftware, die den Bildschirm zugleich zum Lesen und Schreiben eröffnen, bringen das Internet dem Sinnen und Trachten seiner ursprünglichen Gründer wieder näher, gibt - zum Teil jedenfalls - den normalen Nutzern das Kommando im Netz zurück und lässt ein Gut Teil des Web zum Werken den Wikizens, denn sie versteh´n was sie tun ( ;-)=> "sie sind die wahren anarchisten, lieben das chaos, räumen ab, kennen keine rechte, keine pflichten
ungebeugte kraft, massenhaft, ungestümer stolz" ).
Irgendwie klingt das wie Grönemeyer auf Wiki, hat aber mehr als einen Gummibärchenhintergrund ( :-)siehe: => "Die sexuellen Phantasien der Gummibärchen"; siehe auch => "Gummibärchen und Weinhnachten: Ein Widerspruch in sich?". Über Jahrzehnte hinweg haben Softwareprogrammierer immer wieder übersehen, ihre Produkte so gestaltet, dass Benutzer sie in einer virtuellen Welt etwa genauso einfach verwenden können wie ähnliche Anwendungen im wirklichen Leben, ohne große Zugangsvoraussetzungen, festgelegte Arbeitsabläufe, hohe Einstiegsanforderungen oder einem Haufen anderer Regeln. Versperrte Zugangsebenen, fixierte Werkflüsse und kanalisierte Spielregeln haben eine breiten Vielfalt von propritärer Groupware Kaufprogrammen bis heute schlecht aussehen lassen. Sie blieben vielfach unverlinkt links liegen und die Nutzer gingen eigene Wege.
| Die Wege ins Wiki sind wundersam. |  |
Der normale Zugang ist er eher zufällig, oberflächlich und skeptisch. Der ideale Weg ist gesucht, gefunden und der Benutzung für Wert befunden. Bevorzugter Weise näher man sich Wiki in einer leichten Anwärmphase entstehender Neugier mit einem aufheizenden Übergang von wachsendem Interesse bis zur endgültig glühenden Einmündung in die sich selbst verstärkende Motivation, selbst die Kunst und Kraft der Wikikonzeption in kreativem Kontext zu nutzen. Wikiwerken umfasst immer auch ins Wiki führende Erforschung, Informationssuche, Experimente und die Formulierung von Inhalten. Wikizens sind aktiv, kreativ und kommunikativ zugleich, was zu Kooperationen, Diskussionen und Interaktionen, zu Ansammlung, Anregung und Austausch von Erfahrung, Erlebnis und Wissen führt.
Das kreative Chaos und die geniale Anarchie kostenneutraler freizugänglicher Wikiopensources sind der komplette Umkehrgedanke zu und die Abwendung von uninspirierten herstellergebundenen Groupwareproduktionen konventioneller kostenintensiver Softwareprogramme. Bei Acht und Bann für flame und spam sind Wikis in Inhalt, Umfang und Aussehen selbstorganisierende aufgeräumte Internetinseln ihrer Communities. Preiswert zu erhalten, kostengünstig zu betreiben, einfach zu installieren, leicht zu pflegen, schnell zu begreifen, bequem zu handhaben: Wikis haben ihren Weg von den Individualisten in die Institutionen hinein verlängert und beginnen dort ihre Identitäten als ?informelles Gedächtnis? zu etablieren.
| Wiki Technik und Texten. |  |
Ein Wiki ist eine vollständig interaktive Web Site. Jedes seiner Seite kann von jedem Besucher bearbeitet werden. Das wird angetrieben durch eine ihm eigene wiki egnine, einen darauf spezialisierten Webserver und eine zusammenhängender Anzahl von cgi sripts, die aus den Ergebnissen der Seitenbearbeitungen durch die Benutzer dynamisch Seiten erstellen. Die Benutzer bearbeiten eine Seite in dem sie durch das Anklicken der ?Edit? Schaltfläche ein Bearbeitungsfenster öffnen, den darin vorhandenen Text ergänzen, kürzen oder gleich ganz löschen und den veränderten Text mittels Klick auf einen "Save" Knopfes auf den Server zurück sichern. Genauso einfach können Benutzer neue Seiten erstellen, indem sie zwei oder mehr WörterMitGrossBuchstabenDazwischenZusammenhängen?.
Diese Wiki Wörter werden zum Titel und Topic einer neuen Seite, die dann weiter bearbeitet werden kann. Die meisten wiki Seiten enthalten nur Text. Die Seitengestaltung und Texterformatierung ist einfacher als bei HTML, obwohl einige Wikis auch HTML Auszeichnungen zulassen. Nahezu alle wikis sind einfach einzurichten, anzulegen und zu verwalten. Viele haben zur Sicherung ihrer Seiten bei ungewollter oder mutwilliger Zerstörung des Inhalt eine Rückerinnerungseinheit, die das Aufrufen von Seiten in ihrer vorherigen Form ermöglicht. Wiki ist cool, clever und live.
| Strategisch von unten nach oben ins Gedächtnis |  |
Amy Cortese zitiert im New York Times Special "Business is toying with a Web Tool" vom 19.Mai 2003 zwei Internet Gurus von denen der eine, Denham Grey von Composite Tech, Wiki das Zeug als kommendes "informal corporate memory" attestiert und Clay Shirky, Professor an der New York University´s Interactive Telecommunications Program, dies als die vorhersehbare "Strategie einer Attacke von unten" apostrophiert. Der Grund ist klar. In einem erfolgreichen Unternehmen tun die Manager die richtigen Dinge, die Mitarbeiter die Dinge richtig. Mit Wikis kann man beides tun. Und das noch ? drittens - kostengünstig.
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