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Alltägliche Lebens Führung

Zum theoretischen und praktischen Ansatz dieses Projektes ?AlltäglicheLebensFührung?

Wissenschaft, Wissen, Institutionen und Alltag

"Der erhoffte Übergang von Glaube zu Vernunft und vom Partikularismus zum Universalismus, angeblich ein konstitutives Merkmal der klassischen Idee der Modernität, ist heute nur Ausdruck der Krise der Moderne" (Nico Stehr, 2001)

Einen größeren Denkschwenk - in den Wissenschaften nennt sich das ein ?neues Paradigma? oder ein ?Paradigmenwechsel? (Kuhn 1968) in der Grundlegung der Darstellung von zentraler Zusammenhängen in Natur-, Geistes-, Human- und Gesellschaftswissenschaften wird es in der Betrachtung nach mehr als einem Vierteljahrhundert systemtheoretischen Argumentierens auch für unseren Gegenstand: der ?Alltäglichen Lebensführung?, wohl zukünftig allgemein geben müssen.

Das ist nicht selbstverständlich und schon gar nicht einfach: ?Wenn ein Naturforscher erklärte, er wolle nur mit dem Löwen und Adler, der Eiche und Rose, mit Perlen und Edelsteinen, nicht aber mit widerwärtigen und häßlichen Gegenständen sich beschäftigen, so würde er einen Sturm der Heiterkeit entfesseln?Alles das ist so einfach und selbstverständlich, daß man sich scheuen müßte, es öffentlich auszusprechen, wenn es nicht das Schicksal des Einfachen und Selbstverständlichen wäre, daß es in bitterem Sinn erkämpft werden muß.? Das hatte K. Krumbacher in seiner ?Geschichte der byzantinischen Literatur? 1891 bereits deutlich erkannt.

Dieses wissenschaftliche Schicksal des ?Einfachen und Selbstverständlichen? teilte bis in den Herbst des vergangenen Jahrhunderts hinein auch die Betrachtung des ?Gewohnten und Alltäglichen?: die Alltägliche Lebensführung fristete als eher ridiküle Residualkategorie individuell-subjektiver Interpretationen menschlichen Erlebens- und Zusammenlebens mehr ein Nischendasein unter der allgegenwärtigen Betrachtungsweise ?objektiver gesellschaftlicher Verhältnisse" als bevorzugtem Erklärungsmuster sozialwissenschaftlicher Erscheinungen und Zusammenhänge.

Leben ist unser Alltag

?Alltag? ? wissenschaftlich gesehen ? ist heute eine vielleicht nicht immer deutlich umrissene, aber jedem offensichtlich eigentümlich kenntliche und jedem völlig selbstverständlich geläufige Art und Weise des Handelns und Deutens spezifisch gesellschaftlichen Sachverhalte und des allgemeinen Welterlebens bzw. der Existenzialerfahrung. Beim alltäglichen Leben handelt es sich um eine grundlegende pragmatischer Einheit menschlichen Daseins, um das Wissen für das Tun oder Lassen der darin lebenden und arbeitenden Mensch, um das zwischenmenschliche Ordnungsverhältnis dieser Personen zu-, über- und untereinander, ihr Selbst- und Fremdverständnis und nicht zuletzt um die fast durchgängig von Sorge begleitete Sicherung und Gestaltung der Existenz, die wir zum Überleben zu leben genötigt sind.

Die ?Modernisierung? sozialer Gesellschaften, verstanden als ?sukkzessiver, jedoch asymetrischer Prozess (zuerst bei den Institutionen, dann bei den Individuen) der Entwicklung von Handlungsspielräumen? (Stehr 2001), ?die wachsende Wählbarkeit sozialer Sachverhalte? (Offe 1986), schlicht die Ausweitung von Werten, Wissen und Wandel durch den Einbezug von Welt, haben allezeit das Tempo des Lebens verändert und die Handlungsalternativen expandiert ohne allerdings eine gleichzeitig damit einhergehende Konvergenz der Handlungsziele einzurichten, was eine gegenseitige und sich stützende Parallelität von Universalismus und Partikularismus fördert. Die äußere und innere Vehemenz in den Abläufen aller Lebensaufgaben und Lebensbereiche haben die Fähigkeiten zur Bewältigung immer neuer Lebenslagen jeweils bis an die Grenzen der Anpassungsfähigkeit ausgeweitet. In einer turbulenten Zeit wird Veränderung permanent (Drucker 1980), Chaos- Management zur Aufgabe (Müri 1986) und die richtige Information und Orientierung zur Bewältigung turbulenter Situationen (Fromm 1968) überlebensnotwenig. Daran ist nichts Neues. Das Leben war und wirkte, ist und bleibt für viele kompliziert und verwirrend, provozierend und brüskierend, exzentrisch und exzellent. Sei es lebenswert, liebenswert, langweilig, lästig oder lustvoll, in jedem Falle:..es ist unser ?Alltag?.

 
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