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Alltägliche Gesunde Lebensführung

TäglichGesund? und AlltäglicheGesundeLebensführung

Frühere Aufzeichnungen zeigen, daß das Problem gesunder Lebensführung ein Zentralthema der philosophischen, religiösen, medizinischen Literatur von der Antike bis zur Gegenwart bleibt. Das darin enthaltene Präventionskonzept ist für uns also nicht neu. AlltäglicheGesundeLebensführung, ihre Konzepte, Rezepte und Regelwerke gehören zu den ältesten und grundsätzlichen Leitlinien für ein gesundes lebenswertes Leben, für ein Leben "TäglichGesund?".


Leitvorstellungen und Regeln einer glücklichen und im weitesten Sinne gesunden, auf die planmäßige Vermeidung von körperlichem und seelischem Leiden gerichtete Lebensführung bei Erweiterung einer hohen Anzahl lebenswerter Jahre dürften vielmehr so alt sein wie die Begriffe Glück und Gesundheit selbst.

Bis ins 18. Jahrhundert hinein, in der neue Methoden den Human-, Natur- und Sozialwissenschaften, so auch der Medizin und den Ernährungswissenschaften, aktuelle und empirische Anstöße für Theorie und Praxis gaben, blieben jene wissenschaftlichen Ansichten für Fachgelehrte und Volk über Gesundheit und Krankheit verbindlich, wie sie sich in den griechisch-arabisch-römischen Kulturkreisen aus den Anschauungen und Erfahrungen seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. bis zum Untergang des Weströmischen Reiches (476 n. Chr.) entwickelt und dann mühsam, vor allem durch die Klöster zu Beginn des Mittelalters wiederbelebt, in den großen Schulen von Salerno und Toledo aufgeblüht, den Übergang nach 1450 in die Neuzeit glänzend überstehend, in diesen Jahrhunderten herausgebildet hatten.

Der "Problemkern" präventiven Handelns ist die Verbesserung menschlichen Lebens und Zusammenlebens, d.h. die die Befriedigung menschlicher Bedürfnisse, die Vermeidung unnötigen menschlichen Leidens, die intersubjektive und intrasubjektive Harmonisierung menschlicher Bestrebungen. Darauf zielten schon die sechs hippokratischen und galenischen Forderungen für eine kultivierte Lebenskunst ab.

Im Gefolge der Entwicklung und des Aufblühens der Naturwissenschaften ging die alte Heilkunde in eine moderne Heilkunst mit entsprechenden Methoden und Techniken über, die eine Ausdifferenzierung, Spezialisierung und Disziplinierung in einzelne medizinische Bereiche mit sich brachte, welche die enge Verbindung zwischen Ernährung, Gesundheit und Lebensstil einer im Gesamtgefüge auf Einbindung und Einklang mit der Umgebung zielenden Lebensweise früherer diätetischer Konzepte auflöste.

Mit der Verbürgerlichung, der Verstädterung und der Industrialisierung in Staat, Wirtschaft und Gesellschaft hatte man sich im Zuge eines sich immer mehr spezialisierenden Wissens und der sich ausdifferenzierenden Wissenschaften abgewand und mehr und mehr den Erzeugnissen, einschließlich der Arzneimittel, einer durch wiederholbare Vorgänge auf Mengenproduktion und Massenkonsum hochentwickelten Produktionstechnik zugewandt. Einer durch ihre zunehmende Beherrschbarkeit "entschleierten" Natur kehrte man gleichzeitig den Rücken.

Bis plötzlich um 1900 durch maschinell isolierte Nähr- und Einweißstoffe, neu kombiniert und industriell gefertigt zu gesundheitsförderlichen Nahrungsergänzungpräparaten "gegen den nervösen Alltag" als Zusatzkonsum für Gesundheit und Leistungsfähigkeit propagiert, die Grenzen zwischen Arznei- und Lebensmittel wieder fließend wurden, diesmal allerdings mit dem Versprechen von genügend Gesundheit und Genuß für langwährendes Leben und immerheiterer Lebensfreude aus der "Faszination des kreativen Labors" (Spiekermann 2001).

Erst mit dem Herausfallen eines einst auf Nützlichkeit in der Natur evolutionierten Organismus aus einer "natürlichen Ordnung", hinein in ein heute weitgehend synthetisches Arrangement eines Ambiente und einer Atmosphäre mit naturfremden Nebenwirkungen bei der neuzeitlichen "Instandhaltung, Wartung und Reparatur" eines anfälligen Systems in Betrachtung, Bewertung und Behandlung von Gesundheit und Krankheit, ist die ursprüngliche Verbundenheit des Mensch mit Natur und Umwelt wieder zu merken.

Zweifellos haben Medizin, Biologie und Chemie durch Forschung mit und Anwendung von modernsten Methoden und Mitteln in kontrollierten Analysen und Experimenten alte, überholte und falsche Vorstellungen von Wirkstoffen, Wirkweisen und Wirkungsfeldern - auch in der Pflanzenheilkunde und Volksmedizin - ersetzt und durch neue Entdeckungen und Erklärungen erhellt und bereichert. Aber gerade der "Allmachbarkeitsglaube" der Naturwissenschaften scheint zunehmend am Widerstand der alltäglichen Natur selber zu scheitern.

Gesundheitspolitik und Gesundheitsbildung

Betrachtet man sich die heutigen Planungs- und Informationsprogramme für Gesundheitspolitik und -reformen, so zeigt sich, daß der ursprüngliche Kanon der sechs Grundlagen gesunder Lebensführung

  • der gebildete Umgang mit Licht und Luft, mit Wasser und Wärme, mit Boden und Klima; der äußere Umgang mit der ganzen den Menschen umgebenden Umwelt;
  • die Kultivierung der Lebensmittel in der Kultur von Speise und Trank;
  • die Rhythmisierung des Alltags durch den Wechsel von Bewegung und Ruhe, Schaffen und Feiern;
  • die Rhythmisierung von Wachen und Schlafen, eingebunden in das kosmische Wechselspiel von Tag und Nacht;
  • die sorgfältige Beobachtung aller Absonderungen und Ausscheidungen des gesamten innersekretorischen Gleichgewichtssystem samt Psycho- und Sexualhygiene;
  • der zivilisierte Umgang schließlich mit unseren Emotionen und Affekten, Leidenschaften und Passionen, Freundschaften und Beziehungen, der Umgang mit sich selbst und unseresgleichen;
daß dieser Leitfaden nicht verloren gegangen, allerdings soweit ausgefranst ist, daß man einstige Zusammengehörigkeiten seiner Grundzüge kaum noch erkennen kann.

Gesundheitsorientierte Heilkunde und umfassende Gesundheitsbildung finden sich

  1. im Umweltschutz (natürliche Lebensbedingungen, Licht, Luft, Wasser, Boden, Klima, Landschaft);
  2. in der Ernährungskultur (Lebensmittelkunde, Fehlernährung, Lebensmittelhygiene, Medikamentenkonsum);
  3. Humanisierung der Arbeitswelt (Arbeit, Leistung, Streß, Feierabend);
  4. Freizeitkultur (Schlafen, Wachen, Erholen, Lärm);
  5. Innersekretorischer Stoffhaushalt (Sexualhygiene, Hormone, Ausscheidungen, Absonderungen);
  6. Regulation des Affekthaushaltes (animalische Affekte, humane Leidenschaften, emotionaler Haushalt, Psychohygiene).
Die neuzeitliche Hoffnung auf Gesundheit als Königsweg eines einfachen Input-Output-Ergebnisses von direkt umsetzbarem nützlichen Herausholen dessen einerseits, was man andererseits im Glauben an die Botschaften von überaus wirksamen Kommunikationskonzepten der Nahrungs- und Heilmittelindustrie für die positive Wirkung immer neuer Produkte in sich hineingesteckt hat, bleibt solange unerfüllt, solange sie nicht einher geht mit einer zumindest partiellen Übereinstimmungen äußerer Gegebenheiten mit inneren Befindlichkeiten.

Die Beibehaltung einer einigermaßen stabilen Gesundheit kann vermutlich nur der für sich in Anspruch nehmen, der seine eigene Binnenstabilität durch eine zumindest in Ansätzen gelebte Deckungsgleichkeit von realen Bedingungen und eigener psychischer und sozialer Existenz dadurch herbeiführt, daß er sich in Lebenslagen nicht nur befindet sondern seine Lebensbedingungen, denen er nach Lebenserfahrung und Lebenspraxis gegenüber autark ist, selbst gestaltet.

"Täglich Gesund"

Die Wiederentdeckung eines positiven Gesundheitsbegriffs in der alltäglichen Lebensführung der Menschen

  • als Konzept einer durch Verhalten, Motivation und Selbstverantwortung geprägten Vorsorge für ein gesünderes Leben
  • durch Erhöhung der Anzahl der Lebensjahre ohne Beschwerden und Behinderungen
  • bei Gewährung der vollen Entfaltung und Nutzung der physischen und geistigen Fähigkeiten
  • zur Bewältigung der Lebensereignisse in einer gesunden Weise
kann einen neuen Bogen spannen zwischen den Jahrhunderte alten, überlieferten Vorstellungen von Gesundheit und Krankheit mit den modernen Erkenntnissen für mehr Lebensqualität und Lebensfreude (Pardun 2001).

 
(C) 2003 DiplSozHelmerPardun last change: 15. Dezember 2003