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Alf Sechs Alltag Handeln Orientierung
Schulweisheiten und falsche Anschauungen, Vorlieben und Vorurteile als Quellen der Lebenserfahrung |  |
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Sir Francis Bacon, (1561-1626), Baron Verulam und Viscount St. Albans, studierter Rechtswissenschaftler, Staatsmann, Philosoph und Essayist,ab 1618 Lordkanzler unter Jakob I., 1621 unter dem Vorwurf der Vorteilsnahme im Amt von diesen allen wieder enthoben, behauptete von sich: “Ich habe das gesamte Wissen zu meinem Tätigkeitsbereich gemacht” uns setzte sich mit diesem Leitspruch leidenschaftlich und beharrlich für seine Forderung ein, daß die Wissenschaft experimentell und auf Tatsachen nicht philosophisch und auf Spekulation gegründet zu sein habe. Damit verließ er radikal die mittelalterlichen Traditionen aristotelischer und scholastischer Methoden und beeinflußte damit stark die Arbeiten von John Locke (1632-1704), Gottfried Wilhelm von Leibnitz 1646-1714) , Christian Huygens (1629-95), Robert Boyle (1627-91) und François-Marie Arouet deVoltaire (1694-1778).
Als Erfahrungswissenschaftler war für Bacon völlig klar, daß man wahres Wissen durch die Sinne erfahren könnte und stellte 1620 in seinem "Novum Organon" (Neues Werkzeug) gleichzeitig damit für ihn ebenfalls völlig klar fest, wo die überall vorhandenen und zu beobachtenden Irrtümer und falschen Anschauungen ihren Ursprung hätten: aus den Anschauungen und Lehren überlieferter Schulweisheiten, aus dem Glauben an Worte über Dinge, ohne sich über die Dinge selbst klar zu sein, aus den persönlichen Vorlieben, die einem, dahinein man sich verzogen , einen klaren Blick verstellen, und schließlich der menschlichen Neigung, der Natur ein Selbst zuzuschreiben.
Schulweisheiten und falsche Anschauungen, Vorlieben und Vorurteile, getrübter Blick und personalisierte Natur, man mag diese Quellen der Welt- und Lebensdeutungen mögen oder nicht, im Alltag spielen sie eine Rolle, genauso wie allgemein gehaltene Bauernregeln, Sprichwörter und Redensarten helfen im Alltag weitzerzukommen. “Sprichwörter und Sprüche haben das Recht, Gemeinplätze zu sein. Sie sollen ja überall gemachte Erfahrungen in Worte fassen, und es gibt keine literarische Tätigkeit, die wichtiger wäre als die, dem Alltäglichen Bedeutung zu verleihen und eine Wahrheit dem Dunkel der Selbstverständlichkeit zu entreißen.” (Richard G. Moulton: The modern reader´s bible, London 1923, S. 1456). Sprichwörter und Resdensarten werden genauso schnell zu Orientierungspunkten in der Alltäglichen Lebensführung wie erprobte und bewährte Handlungsanleitungen.
Der Alltagsruf nach Orientierung und Kreativität für neues Handlungspotential |  |
"Und was soll ich jetzt machen?" Das ist wohl der häufigste Ruf nach Orientierung und Kreativität, wenn es darum geht, die eigenen Probleme so in Ordnung zu bringen, daß daraus neue Handlungslinien erwachsen, beruflich und privat. Denn eine positive Einstellung zu wesentlichen Lebens- und Umweltbereichen ist die wichtigste Voraussetzung, um im menschlichen und mitmenschlichen Fühlen, Denken und Wollen durch Erleben, Erfahren und Erarbeiten Bezüge herzustellen und Anstöße zu erhalten zum Einsatz von Herz, Hirn und Hand. Es ist die vornehmste, menschliche Aufgabe, den Menschen in den gegebenen Umständen nicht verkommen zu lassen. Zu diesen Menschen gehören wir und die anderen, und es ist unsere Aufgabe.
Die zunehmende Unfähigkeit richtiges oder besser passendes Verhalten an den Tag zu legen liegt in drei Bereichen des menschlichen Miteinanders - in der zunehmenden Komplexität und Unübersichtlichkkeit von (Handlungs-)Situationen, - an der mangelnden Beherrschung sozialer Fähigkeiten und Fertig keiten,- und der beschränkenden Wirkung großer Angst- und Streßgefühle.
Aussagen über Menschen als Individuen und Menschen als Gruppen, deren Dasein und Zusammenleben, können niemals voraussetzungslos getroffen werden. Denn derjenige, der sie macht, wäre dazu nicht berechtigt und fähig, wäre er nicht zumindest teilweise Mitglied jenes Zusammenhangs, über den er spricht. Alle Menschen sind mit einbezogen in die Aufgabe, Sinn in den Zusammenhang zu bringen, den man Leben und Alltag nennt. Dieser Aufgabe kann sich niemand ohne schwerwiegende Folge auf Dauer entziehen. Und dazu braucht er eine Reihe von Vorstellungen über Tatsachen, Beziehungen, Werte, die sich gegenseitig durch logische und gefühlsmäßige Zusammenhänge ausdrücken lassen und die - mögen sie richtig oder falsch, passend oder unangemessen sein - die Richtlinien unserer Handlungen bestimmen.
Herausgefallen aus der natürlichen Ordnung zeitlebens auf der Suche nach der eigenen Biographie |  |
Menschen sind, wenn sie leben, zeitlebens auf der Suche. Sie brauchen Orientierungen und Bezüge, um sich zurechtfinden und handeln zu können. Es gibt kein spezifisches, ererbtes Muster, das den Menschen lebt. Er muß Verhaltensweisen erwerben. Er muß leben. Zwar ist er der Natur, wie sie einmal war, entfallen und trotzdem kann er sich ihr, wie er heute ist, nicht entziehen. Das ist sein Problem und begründet die andauernde Notwendigkeit, dauerhafte Problemlösungen zu finden. Er muß immer besser mit sich, seinen Mitmenschen, der Umwelt zurecht kommen und neue, höhere Stufen dafür finden. Die gedankliche Vorwegnahme der Unfähigkeit, die vorhandenen und entstehenden Berge bewältigen zu können, bringen ihm einerseits seinen Ängste, andererseits sind sie der Auslöser all seiner Überlegungen, Handlungen und Hingaben .
Es ist ein dem Menschen eigenes Prinzip zu versuchen, unvollständige und nicht eindeutige Tatsachen seiner Umgebung durch gelernte Interpretationen zu strukturieren. Die eingesetzte Fähigkeit und gelungene Möglichkeit, verstreute Daten der eigenen Biographie und der Umwelt in einen Zusammenhang zu bringen, werden als beglückend und befreiend erlebt.
Im besten Fall ist es ein harmonisches Erlebnis, bei dem Körper und Geist mühelos zusammenwirken, bis sich das Gefühl einstellt, dass etwas ganz besonderes mit einem geschieht. Durch die Balance zwischen Herausforderung und Können werden Handlung und Bewusstsein so miteinandner verschmolzen, daß sich der eigene Zeithorizont verschiebt oder verliert und man sich in dem Moment nur noch seiner Handlung bewusst ist, nicht mehr seiner selbst. Zusammenhängende und eindeutige Handlungsanforderungen, klare Zielsetzungen werden durch klare, eindeutige Rückmeldung an den Handelnden bestätigt und bewerten sich hinsichtlich des Erfolges in ihrem Vollzug umstandslos selbst, ohne daß durch Überforderung von Fähigkeiten Beunruhigung und oder durch Unterforderung Leere entstehen. Nicht mehr die tatsächliche Kontrolle über eine Situation selbst steht im Vordergrund. Vielmehr das Wissen darum, dass man sich Kontrolle verschaffen kann. Vertrauen auf die eigenen Fertigkeiten und der Glaube an die Lösbarkeit einer Aufgabe führen zu Selbstvertrauen und Unbeschwertheit und somit zu einer Art automatischer Kontrolle führt ,was dem Handelnden Kraft und Sicherheit gibt. Jenseits von Angst und Langeweile stellt sich der Gedanke ein nichts falsch machen zu können
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