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Alf Acht Alltag Verhaltenssicherheit Und Idiotie

Menschliches Streben nach sozialen Vergleichsprozessen: Verhaltenssicherheit statt Idiotie    

 
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Menschliches Streben nach sozialen Vergleichsprozessen: Verhaltenssicherheit statt Idiotie   
Handeln, Stellungnehmen, Entscheiden: positive Persönlichkeitsleistungen aktiver Personen   
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Aus der allgemeinen Notwendigkeit, auch zukünftigen Alltag gestalten zu können, lassen sich einige einfache Tendenzen menschlichen Verhaltens herauskristallisieren:
  1. wir haben den Wunsch, soziale Vergleichsprozesse zu veranstalten;
  2. wir haben die Bereitschaft, Selbst- und Umweltwahrnehmungen zu bewerten;
  3. wir versuchen, Fehlurteile zu vermeiden;
  4. für Vergleichsprozesse suchen wir Personen und Situationen, die uns möglichst ähnlich beschaffen sind;
  5. wir lehnen Personen und Situationen, die uns negative Vergleichsergebnisse bescheren, ab;
  6. wir versuchen die Selbst-Wahrnehmung aufzubessern und die Fremd-Wahrnehmung herabzusetzen;
  7. wir drängen darauf, Mißverhältnisse bei Wahrnehmungs- und Bewußtseins-Prozessen innerhalb und zwischen den Beteiligten sozialer Vergleichsprozesse zu mindern oder aufzuheben.
Innerhalb von Handlungen, die aufeinander bezogen sind, sehen sich deren Mitglieder üblicherweise mit drei Problemen konfrontiert, - dem der Orientierung; Orientierung meint, daß das jeweilige Maß an Unsicherheit und Nichtwissen von wichtigen Tatsachen überwunden werden muß. - dem der Bewertung; Bewertung meint, daß widerstreitende Einschätzungen und Interessen ausgeräumt werden müssen. - dem der Kontrolle; Kontrolle meint den Versuch der Beeinflussung der Handlungsmitglieder untereinander, damit gemeinsames Handeln möglich werden kann. (Grundquelle: R.F.Bales: Interaktion)

Es ist ein menschliches Grundanliegen, nach Orientierungs- und Bezugssystemen zu verlangen und zu streben. Dieses Verlangen hat seinen Ursprung in der Suche nach Verhaltenssicherheit und in dem Wunsch nach intellektueller Aufhellung der "Um-"Welt, um aus der allgegenwärtigen Unsicherheit und Ungewißheit, wenn nicht volle Sicherheit und exaktes Wissen, so doch die Möglichkeit zu ziehen, relative Unwissenheit und Unsicherheit ohne Panik und unziemliche Furcht zu ertragen, und um sich eine gewisse Sensibilität gegenüber der Um- und Mitwelt zu erhalten, deren völlige Abwesenheit Gesellschaftsmitglieder zu einem Menschentypus berufen würde, dessen ideologische Unsicherheit und gesellschaftliches Unbehagen sich ausdrückten in einem Gefühl ungeübter Laienhaftigkeit und in einem Zustand bloßer Privatheit, welche genau der griechischen Definition von Idiotie entsprächen.(vgl dazu Habermas, Jürgen: Strukturwandel der Öffentlichkeit, Neuwied 1966; Maas, Hans: Wörter erzählen Geschichte. Eine exemplarische Etymologie, München 1965; Meyers Handlexikon: Leipzig 1883, Bd. I S. 895 Stichwort: Idiot, (gr.) Urpsr. Privatmann im Gegensatz zum Staatsmann, dann Unwissender, Ungebildeter, auch Blödsinniger.)

Handeln, Stellungnehmen, Entscheiden: positive Persönlichkeitsleistungen aktiver Personen    

Der Mensch ist auf der ständigen Suche nach Informationen, die seinen subjektiven Orientierungs- und Bezugsrahmen festigen und seine Perspektiven ausweiten helfen, und die Informationssuche ist zugleich der Ausdruck einer permanenten Erkundung für Befriedigungsmöglichkeiten von Stimulations- und Erregungsbedürfnissen. Die Gestaltung und Bewältigung von Alltagsleben ist eine andauernde Aufgabe, die Leistungen fordert, Entscheidungen verlangt, Persönlichkeiten braucht.

Durch sein Handeln gewinnt der Mensch Effizienz. Handeln ist Stellungnahme zu seiner Umwelt und heißt immer die Veränderung von gegebenen Zuständen hin auf andere, neue Zustände. Mit welchen Konsequenzen deshalb gehandelt wird, das hängt davon ab, welche der möglichen Alternativen, die zur Wahl stehen und eröffnet werden, in die Tat umgesetzt wird. Aus Alternativen wählen heißt entscheiden.

Entscheidung ist eine positive Persönlichkeitsleistung aktiver Personen, da Entscheidungsfähigkeit die Bereitschaft beinhaltet, "Sachverhalte als Problemsituationen aufzufassen, deren Lösungen gesucht und gefunden werden müssen - nicht bloß reproduziert". Lösungen suchen heißt "sich entscheiden können". Um das zu erreichen muß Entscheidungsfähigkeit und Entscheidungsfreude Teil unser Persönlichkeit und Teil unseres Alltagslebens sein.

Der Mensch muß handeln. Unter "Handeln" versteht man jedes Tun, Lassen oder Dulden mit Umwelteinwirkung , ebenso wie - begründet durch die menschliche Fähigkeit der Negation, d.h. unter Berücksichtigung möglicher Konsequenzen bewußt "Nein" zu sagen - auch in bezug auf die eigene Person. Der Mensch handelt bezüglich seiner Umwelt - und da er sich selbst, die eigene Person, in den Mittelpunkt von Handlungen stellen und sich selbst thematisieren kann, handelt er auch bezüglich seiner selbst.

Entscheidungen die gleiche Tragweite und Gewichtigkeit im Alltagsleben haben, vor allem weil man nie weiß, inwieweit ausreichend Informationen für die Entscheidung vorhanden und auch weil Entscheidung zeitlich irgendwann einmal gefällt werden müssen, um zu Ergebnissen und Erfolgen zu kommen, unterscheidet man zwischen Entscheidungen unter Gewißheit, Risiko und Ungewißheit. Entscheidungsverhalten im Alltagsleben ist überwiegend risikobehaftet bis ungewißheitsbestimmt, da selbst Gewohnheitshandlungen anfällig für Störungen und abhängig vom jeweiligen Informationsstand und der Informationsvorhaltung aller Beteiligten sind. Von dem was neulich noch funktioniert hat, kann ich nur annehmen, daß es auch diesmal wieder klappt. Risikofaktoren liegen bereits in der Definition eines mehrschichtigen Problems. Damit gelangt man auch zu Begrenzungen, die einem komplett durchrationalisierten, absolut gewissen - und daher un-menschlichen - Entscheidungshandeln gesetzt sind.

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